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Südschweden

Dies sind Erfahrungen, Fotos und Eindrücke aus einem vierwöchigen Fahrradurlaub in Südschweden im Herbst 1996. Der Text ist entstanden, als ich am 13.02.2002 eine Anfrage auf diese (bis dato nur aus den unten ausgestellten Fotos bestehende) Seite bekam und eine ausführliche Antwort schrieb.

Unsere Tour begann in Greifswald, von wo aus wir mit einer kleinen Fähre nach Rügen übersetzten.  Von Saßnitz aus brachte uns ein großer Bruder dieser Fähre in 3,5 Stunden nach Trelleborg - den Südwestzipfel von Schweden. Nachdem wir in Falsterbo ein paar Tage auf der faulen Haut gelegen haben, folgten wir der Westküste immer in nördlicher Richtung. Als Reisezeit hatten wir uns die vier Wochen von Mitte August bis Mitte September ausgesucht. In den ersten zwei Wochen hatten wir ein Wetter wie auf den ersten Fotos - Sonne bis der Arzt kommt und sehr angenehme Radeltemperaturen.

Generell: In Südschweden Rad zu fahren ist wirklich ein Genuss. Die Straßen - selbst die Nebenrouten - sind gut ausgebaut bzw. haben eine glatte, wassergebundene Decke. Und die Autofahrer sind sehr rücksichtsvoll und vorsichtig. Plant Ihr mit Zelt zu fahren? Das bietet sich an, denn Jugendherbergen sind nicht so dicht gesäht. Sollte man wirklich einmal sehr schechtes Wetter erwischen, kann man auf fast allen Campingplätzen eine kleine Holzhütte mieten. Einen ausführlichen Campingführer, in dem alle Plätze mit Preisen, Ausstattung und Öffnungszeiten angegeben sind, gibt's in jedem Campingplatz zum mitnehmen. Das Teil hat uns damals gute Dienste geleistet und war sehr verlässlich. Die Campingplätze sind alle sehr gut ausgestattet. Es gibt eingerichtete Kücken, die man nutzen kann, Waschmaschinen, Trockner und viel Platz! Es lohnt sich daher auch oft, die kleineren, abgelegeneren Plätze anzufahren; denn dort hat man mehr von der Landschaft und kann manchmal das Zelt direkt am See aufstellen. Wir haben damals nicht das Jedermannsrecht in Anspruch genommen, das es einem erlaubt, wild zu campen. Normalerweise ist man nach einem Tag auf dem Fahrrad froh, eine Dusche zu haben. Südschweden ist außerdem sehr zersiedelt. Das heißt, man hat oft an den Seen das Problem, dass ein Haus in Sichtweite ist (die Schweden bauen ja auch gerne an den Seen). Wenn man das wilde Campen aber mal probieren möchte, geht das auch - man muss nur kurz fragen - die Schweden sprechen normalerweise ein gutes Englisch.

Wir sind damals von Trelleborg aus erstmal ein paar Tage in Falsterbo (ganz im Südwesten - der schwedische Zipfel der Vogelfluglinie) geblieben, um dann an der Südwestküste entlang nach Norden zu radeln. Durch Malmö kommt man relativ gut durch - es hat viele Radwege. Man hält sich immer in Richtung Hafen und Bahnhof und von dort aus ist man nach Norden schnell wieder aus der Großstadt raus. Den Zipfel Höganäs/Kullgarden haben wir über Allerum/Mjöhult abgekürzt. Erst eine lange Steigung rauf - durchaus machbar - und dann eine tolle Abfahrt mit wahnsinns Ausblick vor der Nase wieder runter.

Falkenberg habe ich dunkel als ganz nettes Städtchen in Erinnerung. In Varberg an der Küste steht, glaube ich, das größte schwedische Atomkraftwerk. Vom Campingplatz Stora Näs hat man einen Blick darauf. Die kleine Landnase Stora Näs (heißt eigentlich: "Große Nase") ist besonders abends schön, wenn über dem Meer die Sonne untergeht (dann sieht man das AKW nicht). Der Campingplatz dort hatte eigentlich schon geschlossen, als wir im Herbst dort waren, aber für Radfahrer haben sie dann doch noch ein Plätzchen und eine Dusche frei. Göteborg hat uns sehr gefallen. Wir haben uns 3-4 Tage dort aufgehalten. Hier lohnt es sich evtl. mal die Trekkung- und Ausrüstungsläden zu durchstöbern. Da in Schweden praktisch jede/r mit Trekkingklamotten rumläuft, sind dort Jacken (Gore, Fleece) günstiger als bei uns. Ich habe mir damals eine Gore / Fleece Kombination geleistet, die ich noch heute schätze. Das Naturhistorische Museum in Göteborg ist riesig, man braucht ca. einen Tag, um halbwegs alles zu sehen! Von dort aus ging's ins Landesinnere Richtung Osten bis zum "Store Mosse", dem größten schwedischen Hochmoor. Dort gibt es z.B. fleischfressende Pflanzen (Sonnentau) zu bewundern. Das Store Mosse liegt irgendwo in der Umgebung von Boras / Ulricehamm (ist leider auf der 1:500.000 Straßenkarte vom ADAC, die ich hier gerade vor mir habe, nicht eingezeichnet). Von dort aus ging's für uns wieder nach Süden über Dalstorp, Valdshult, Hillerstorp, Värnamo, Ljungby, Vislanda, Urshult (Mikroklima, Zentrum des schwedischen Obstanbaus, lohnt sich!), Lönsbroda, Hässelholm, ... wieder nach Trelleborg zurück. Die Tour dauerte 4 Wochen und war ca. 1350km lang.

Wenn ich mich nicht irre, führt der Cyclepaden - einer der ausgeschilderten Fernradwege Schwedens, entlang der südlichen Westküste. Ich habe im WEB gesehen, dass es seit einem Jahr auch ein Europäisches Projekt einer ca. 6000 km langen Radroute durch einige Länder Nordeuropas gibt. Hier findest Du weitere Informationen:  Northsea Cycle

Gute Karten für Schweden waren damals rar. Wir hatten uns eine im Maßstab 1:200.000 oder 1:250:000 in Köln bei der Buchhandlung Gleumes besorgt, die auf Karten und Reiseliteratur spezialisiert ist. Die Karte finde ich leider im Moment nicht. Eine Karte sollte man aber in jedem Fall vor Reiseantritt kaufen, da das Kartenmaterial in Schweden selbst sehr teuer ist.

Weitere Infos gibt es vielleicht über den Schwedischen Fremdenverkehrsverband in Deutschland (Google suchen lassen).

Ich weiß nicht, wie erfahren Ihr schon in Sachen Radreise seid. Zur Ausrüstung in Schweden sollte im Sommer in jedem Fall eine leichte Regenkluft gehören, ein Kocher (Trangia?) schadet auch nicht. Ein paar Ersatzteile (Speichen, Schlauch, Brems- und Schaltzug) sowie das passende Werkzeug sind ein Muss. Die Fotoausrüstung mit Weitwinkel (35mm) für Landschafts- und einem Tele (200mm - 400mm) für Tieraufnahmen kommt dort oft zum Einsatz, wenn man das möchte. Vielleicht auch ein kleines, sehr leichtes Stativ? Da die Campingplätze (angenehmerweise!) oft nachts unbeleuchtet ist, empfiehlt sich eine leichte aber langlebige Taschenlampe. Inzwischen gibt es LED Lampen, die zwar etwas teurer sind, die aber mit einem Satz Batterien einen Urlaub lang auskommen und auf Campingübliche Entfernungen von wenigen Metern sehr gutes Licht geben. Damit kann man auch abends mal noch ein Stündchen lesen. Wasserdichte Packtaschen sind in Gebieten wie Nordeuropa eigentlich immer praktisch. Als Mückenabwehr besorgt man sich entweder "Mückenmilch" von Matro Cosmetics (eine Art Deoroller, hat auch in den Tropen geholfen) oder im Land selbst etwas, was auch die Schweden benutzen. Über Autan lachen die Moskitos dort nur! =;-)

Grundnahrungsmittel kosten dort in etwa genauso viel wie hier, alles darüber hinaus ist aber zum Teil deutlich teurer. Aber das let Ihr ja sicher auch in den aktuellen Reiseführern. Wir hatten damals den Cyclos "Südschweden per Rad", 2. Auflage 1991. Aber da gibts inzwischen sicher eine neue Auflage. In den Verlagen Kompass und Schöppel geben ebenfalls für viele Länder (Rad-)Wanderführer heraus. Mit dem Baedeker bin ich, was allgemeine Infos angeht, auch immer gut gefahren. Normalerweise nehme ich auf eine Radreise eine gute Karte, einen speziellen Radwanderfüherer und einen allgemeinen Reiseführer mit - das  ergänzt sich ganz gut, so dass man nicht nur von der Landschaft sondern auch von Geschichte und Kultur etwas mitbekommt.

Ach ja, zur Anreise noch ein paar Worte. Da meine damalige Freundin in Greifswald wohnte, reiste ich von Aachen aus mit dem Zug an und wir starteten dort gleich mit dem Rad über Rügen nach Sassnitz, von wo aus die Fähre in wenigen Stunden nach Trelleborg übersetzt. Als Radfahrer sind diese Fähren echt erschwinglich - die nehmen's vor allem von den Autofahrern. Trelleborg - Lübeck ist ebenfalls eine Möglichkeit. Wenn Ihr nicht nur auf Schweden fixiert seid, könnt Ihr ja auch schon über Fehmarn, Vogelfluglinie, Dänemark fahren und nach Malmö übersetzen. Ich würde persönlich den Weg direkt nach Trelleborg vorziehen. Innerhalb von Schweden ist mal auf den Fähren über die vielen Seen "Gast der schwedischen Krone" - d.h. die Nutzung der Binnenfähren ist umsonst.


In Südschweden kann man wunderbar Radeln.
Hier folgen wir dem "Cyclepaden", der einige hundert
Kilometer an der südlichen Westküste entlangführt.


Dutzende und Aberdutzende dieser "Elchwarnschilder" haben wir auf unseren
1300 Kilometern passiert - aber nicht ein einziges lebendiges Exemplar
haben wir live zu Gesicht bekommen.


Hier sind wir an einer Vogelbeobachtungsstation in der Nähe eines
Sees. Man konnte von einer Panoramaterasse aus mit zwei fest installierten
Fernrohren (spezielle Monokulare für Ornithologen) die bunte Vielfalt
der Wat- und Wasservögel beobachten


Die Straßenverhältnisse sind in Schweden überall hervorragend.
Selbst Feldwege mit wassergebundener Decke sind so gut zu befahren wie
Asphaltstraßen. Die schwedischen Autofahrer fahren extrem rücksichtsvoll
und vorsichtig - ein Genuß, dort radzufahren!


Wir erreichen Göteborg - die zweitgrößte und zweitschönste
Stadt Schwedens. Hier ein Blick auf die moderne aber geschmackvoll eingerichtete
neue Oper, die direkt am Hafen gelegen ist. Ein ganztägiger Besuch
im Naturhistorischen Museum in Göteborg ist ein absolutes Muß!


Bei der Abfahrt aus Göteborg (Halbzeit unserer Urlaubszeit) wurde
das Wetter ungemütlicher. Es regnete öfter und die Temperaturen
waren nicht mehr ganz so sommerlich wie in den ersten zwei Wochen. Eine
in Göteborg günstig erstandene Gore-Jacke war auf der zweiten
Hälfte der Tour eine angenehme Ausrüstungsergänzung.


Windmühlen sind in Südschweden genauso verbreitet wie an
der niederländischen Küste. Hier ist ein besonders hübsches
Exemplar. Außerdem stolpert man alle Nase lang über große
Golfplätze. Golf ist in Schweden ein Volkssport wie hierzulande Fußball.




Text (2002) und Bilder (1996): Robert Hecht

[ Letzte Änderung am 12.10.2002 Inhalt & Gestaltung © Robert Hecht ]